Konstellatives Denken bei Alexander Kluge

Anmerkungen zur Begriffs- und Ideengeschichte
Vortrag von

Winfried Siebers

Studium der Literatur- und Medienwissenschaft sowie der Geschichte an der Universität Osnabrück; M.A. 1985; Promotion 1998; von 1990 bis 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter ebendort und von 1998 bis 2003 am Forschungszentrum "Europäische Aufklärung e.V. in Potsdam"; seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit und am Institut für Germanistik der Universität Osnabrück; Lehrtätigkeit an den Universitäten Potsdam (2000-2002) und Wien (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, seit 2007).

Video
Freitag, 7. Dezember 2018 - 15:15
tfm | Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft - UZA II/Rotunde, Raum 2H467, Althanstr. 14, A - 1090 Wien

Beitrag zum Alexander-Kluge-Workshop am 7. Dezember 2018

In seinen Schlussbemerkungen zu dem Tagungsworkshop anlässlich seiner Werkausstellung „Pluriversum. Die poetische Kraft der Theorie“ im Museum für zeitgenössische Kunst ‚Belvedere21‘ in Wien am 7. Juli 2018 sprach Alexander Kluge über drei gegenwärtige Erkenntnisweisen der Gegenwart: „verbeulte Dialektik“, „konstellative Methode“ sowie über die „Gravitation“ der Verhältnisse. Der Begriff und die Funktionsweise der „konstellativen Methode“ bei Kluge ist neuerdings auch in der Untersuchung von Christoph Streckhardt (Kaleidoskop Kluge, 2016) als zentrale Form der Erkenntniskritik sowie als innovative philosophisch-narrative Darstellungsform von dessen Arbeiten nachgewiesen worden. In dem Beitrag zum Kluge-Workshop soll die Begriffs- und Ideengeschichte der „Konstellation“ und verwandter Konzepte bei Walter Benjamin („Konfiguration“), Max Weber („Komponieren“) und Karl Mannheim („Konstellation“, „Erwartungshorizont“) nachgezeichnet und deren über Theodor W. Adorno erfolgte Einbindung in das klugesche Werk dargestellt werden. Von diesem Entstehungskontext in den 1920er-Jahren lassen sich Verbindungslinien zur modernen „Konstellationsforschung“ knüpfen, einer in den letzten 30 Jahren von den Philosophiehistorikern Dieter Henrich und Martin Mulsow entwickelten Methode zur Erforschung von Theorieentwicklungen und kreativen Impulsen im Rahmen der Ideengeschichte, die sich auf das Zusammenwirken von untereinander in ‚Netzwerken‘ verbundenen Denkern richtet (Konstellationsforschung, hg. v. M. Mulsow u.a., 2005).