Die Frau mit den 5 Elefanten (CH/D 2009)

FSE Viennale / Copyright der Bilder siehe Viennale.at
Regie: 
Vadim Jendreyko

Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet Swetlana Geier an der Übersetzung der fünf großen Romane Dostojewskijs und gilt als größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Jeden Morgen bekommt die 86-jährige Dame Besuch von einer anderen älteren Frau, die auf einer altmodischen Schreibmaschine die Texte geräuschvoll zu Papier bringt. «Sprachen sind inkompatibel», meint Swetlana Geier, weshalb man sich den gesamten Text verinnerlichen müsse. Und plötzlich gibt es dennoch eine Stelle, die sie schon unzählige Male gelesen hat und die ihr plötzlich in einem neuen Licht erscheint. Wenn sie heute mit ihrer Enkelin in ihrer Geburtsstadt Kiew, die sie 1943 auf der Flucht vor Stalin Richtung Deutschland verließ, die Deckenmalerei eine Kirche bestaunt, zählt auch hier das Ganze: Denn das Einzelne ist nicht zu erfassen.
In seinem bemerkenswerten Porträtfilm Die Frau mit den 5 Elefanten sucht Vadim Jendreyko ebenfalls nach einer Gesamtheit. Aus unterschiedlichen Richtungen, Zeiten und Perspektiven nähert er sich Swetlana Geiers Geschichte, ihrem disziplinierten Alltag zwischen Kochen, Bügeln und Übersetzen - und verknüpft dabei all die großen und kleinen, aber jedenfalls gleich bedeutenden Momente zu einem einzigartigen Lebensbild.

Die Fäden einer weißen Tischdecke sind die Metapher für die Sätze der Literatur, die zu einem einzigen Text verwebt werden müssen, im Bewusstsein, dass jede Übersetzung letztlich unvollkommen ist. Und während ihr Sohn im Spital im Sterben liegt und sie für ihn die Gerichte kocht, die ihm gut tun müssen, führt Swetlana Geier ihr Werk weiter, empfängt ihren persönlichen Korrektor, dessen Bemerkungen von berührender Bildung und Aufmerksamkeit dem Text gegenüber zeugen. Ihre Begegnungen sind Sternstunden. (Jean Perret

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