Zwangsläufige Leere und dröhnender Widersacher (Diagonale 2013)

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Eine Filmkritik von Elisabeth Stecker zu kingkong, Regie: Michaela Grill, AT 2000.

 

Kong knattert, quietscht, kreischt, fiept und wummert. Kong ist das Computerprogramm mit dem der Sound zu kingkong erzeugt wurde. Schließt man für einen Moment die Augen – ob freiwillig oder im unfreiwilligen Sekundenschlaf, den Experimentalfilmprogramme unweigerlich mit sich zu bringen scheinen – hört man überraschend zeitgenössische und progressive Musik. Vielleicht liegt die versöhnliche Offenheit gegenüber diesem Lärm auch daran, dass im Moment alles, was an alte und recht sperrige Computer erinnert und das Jahreslabel 2000 trägt, irgendwie en vogue ist. 

 

Während der Sound entschieden roh und entschieden laut ist, schwenkt der Videoblick unsicher und getrieben umher. Was sieht man hier? Weiß und noch viel mehr weiß, nein, da eine Linie, dort ein paar fensterartige Rechtecke, reduzierte Formen in hellem und schüchternem blau, grün und lila. Die Linien wandern über die Leinwand, Formen schwirren vorbei. Alles, was aus der geometrischen Bildsprache heraustritt und vielleicht als organisch erkennbar sein könnte, lässt sich nur als sanfter Schatten im Hintergrund erahnen. Alles ist reduziert. Vielleicht ist dieses ganze weiß auch nur ein heller Schatten von dem, was eigentlich auf diesen Bildern zu sehen war. Was wir als Schwenk oder Schnitt erkennen könnten, ist reduziert auf ein schleichendes Verschwinden oder Auftauchen von Linien und Strukturen. Gegen Ende des 8-Minüters erfährt das ohnehin schlichte Videobild eine Doppelung. Die wenigen Elemente spiegeln sich in einer gedachten waagrechten Linie.

 

Nachdem die Künstlerin Michaela Grill und Pure als Musikerzeuger ausgewiesen wurden, erscheinen Worte wie "Widerstand" (auch in anderen Sprachen) oder "Antistasi" auf der Leinwand. Hatte dieser Film etwa eine politische Aussage, die in dieser einfachen Farbpalette und den klaren Linien zu finden war? Oder leistet Michaela Grill Widerstand gegen das, was man auf einer Projektionsfläche zeigen muss, weil es dort nun einmal hingehört und gegen das, was sich als ein so genanntes Bild erkennen lässt? Gegen das zwanghafte und getriebene Bedeutungsangebot-Suchen? "Zwangsläufig evoziert kingkong Bilder der unter der unkontrollierbar gewordenen Naturgewalt zusammenbrechenden modernistischen Architektur", schreibt Christa Benzer im Katalog zur Diagonale 2013. Die Bilder in kingkong scheinen so verschieden lesbar zu sein, dass dem Rezeptionsprozess sogar eine zwangsläufige Richtung oder Erkenntnis abverlangt werden kann. Eine weiße, leere Schmuckheit durchzieht kingkong, die anscheinend ein paar fantasievolle Dogmen erlaubt. Die leise und pastellfarbene Ahnung von Gebäuden und Stadtbildern findet im lauten, zuweilen gewagt unangenehmen Sound einen Gegenpol. Die unsichtbaren Häuserschluchten werden von der erbarmungslosen Geräuscharchitektur in den Schatten gestellt und die Ohren leisten erfolgreich Widerstand gegen die immer schwerer werdenden Augenlider.