Wer solche Freunde hat … (Diagonale 2016)

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Eine Filmkritik von Magdalena Flemming zu We Come As Friends, Regie: Hubert Sauper, AT/FR 2014

 

 

Afrika wurde in den Zeiten der Kolonisierung durch gerade Linien unterteilt. Die Leute, die dies taten, waren nicht einmal vor Ort, um sich ein Bild des eroberten Landes zu machen.

Die Dokumentation zeigt die Umstände, in denen die Menschen im heutigen Afrika, vor allem im Sudan, leben und überleben. Da bereits einige Filmteams dort gedreht haben, sind viele Einheimische anfangs skeptisch der Filmcrew gegenüber. Doch schon bald hat sich Sauper das Vertrauen der Leute gesichert, denn das Team besteht nur aus den notwendigsten Leuten. Zudem reisen sie recht ungewöhnlich, in einem selbstgebauten Flugzeug an und versuchen mit allen Interviewten respektvoll umzugehen.

 

Zwei Themen dominieren diese Dokumentation: Einerseits filmt er die Öl-Firmen, die sich im Land angesiedelt haben und andererseits die christlichen Missionare, die es als ihre Pflicht ansehen, die Menschen zu ihrem Glauben zu bekehren. Gleichzeitig zeigt der Regisseur die Auswirkungen auf die Einheimischen. Sie sind den "Oil Companies" gegenüber oftmals sehr negativ eingestellt, da diese vorrangig Ausländer statt heimische Arbeitskräfte beschäftigen und immer wieder das Wasser so stark vergiften, dass Kinder bereits daran gestorben sind. Dieses Thema dominiert den ersten Teil des Films, den zweiten nimmt die Christianisierung durch die Amerikaner ein. Einige US-Bürger sehen sich verpflichtet, nach Afrika zu reisen, um dort die Menschen in ihrem Glauben zu unterrichten. Sauper interviewt eine der Familien, die sich als Missionare im Sudan angesiedelt haben. Sie betonen, dass sie den Einheimischen helfen möchten. Ihr Haus aber haben sie zum Teil auf einem Landstück gebaut, das zuvor als Weideplatz für Ziegen gedient hat, und finden das in Ordnung. Ohne Rücksicht auf Bräuche und das Befinden der Menschen, zwingen sie kleine Kinder in Schuhe oder in für sie unbequeme Kleidung. Vor allem die Kleinkinder können das nicht verstehen und sehen sich auf einmal eingeengt, trägt ihre Familie und Kultur doch bis zu diesem Zeitpunkt kaum Gewand. In den Schulen, so berichten einige Jungen und Mädchen, werden sie geschlagen und bestraft, tragen sie nicht ihre Schuluniform, sondern den traditionellen Schmuck ihrer Kultur. Die Einheimischen verstehen auch kaum den Sinn hinter den Bibelstellen und Gebeten, die ihnen beigebracht werden und die sie auswendig können. Sauper zeigt all diese Begebenheiten, ohne seine Meinung darüber auszusprechen. Auch als ihn ein Afrikaner fragt, ob er religiös sei, weicht er lange aus. Dennoch bleibt nicht verborgen, was der Regisseur über die Verhältnisse vor Ort denkt. Durch geschickte Bildmontage und Schnitte gelingt es ihm, die Missverhältnisse deutlich aufzuzeigen und die makabre Ironie und Wiedersprüche hinter den Aussagen der Missionare und Ölfirmen hervorzustreichen. Dies ist die Stärke des Films, der einerseits eine Dokumentation und andererseits eine lautstarke Kritik an den wirtschaftlichen Mächten der Welt ist.