Wer bin ich und wenn ja, wohin? (Diagonale 2016)

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Eine Filmkritik von Ece Isil Sahin zu FtWTF. Female to What The Fuck, Regie: Katharina Lampert/Cordula Thym, AT 2015

 

 

Von starken nicht sie's und nicht er's handelt der Dokumentarfilm von Katharina Lampert und Cordula Thym. Vom Suchen nach der eigenen Identität und der Erkenntnis, dass diese niemals endgültig und festgeschrieben ist und dies vor allem auch nicht sein muss!

 

Alle kamen sie als Frauen auf die Welt und fühlten sich bald nicht mehr wohl in ihrem Geschlecht und doch verfolgt man in FtWTF sechs unterschiedliche Lebenswege von Menschen, die ihre Identität auf verschiedenen Wegen hinterfragen und ausleben. So verschieden die Protagonist*innen auch sind, eines vereint sie: die Autorität über das eigene Geschlecht.

Die sechs Protagonist*innen bekommen hier eine Bühne, auf der sie ungehemmt ihr innerstes nach außen stülpen können, auf der sie reflektieren, Sichtweisen vermitteln, sich auskotzen und dem Zuschauer ganz nebenbei zu einem Crashkurs in Transsexualität verhelfen.

 

The struggle is real!

Queer, Trans, Inter, Lesbisch, Schwul, Bi – die Suche nach der eigenen Nische in der Gesellschaft verdeutlicht nicht nur den inneren Kampf der Protagonist*innen mit Definitionen, sondern wirft auch die alles entscheidenden Fragen "wer bin ich, wer will ich sein, wo will ich hin" auf. Hinzu kommt die konfuse Verortung des eigenen Platzes in der queeren Szene, innerhalb derer es sich ebenso abzugrenzen gilt.

 

Es ist dennoch kein Leidensweg, der hier von Lampert und Thym porträtiert wird, sondern vielmehr ein Sichtbarmachen der intensiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich und der Gesellschaft. Mal lustig und mal deprimiert werden Geschichten von Mut und Selbstbestimmung erzählt, vom Aufbrechen des vermeintlich Normalen und davon, dass schlussendlich alles möglich und nichts sicher ist.

 

FtWTF ist klug und geht tief unter die Haut. Eine ernsthafte, lehrreiche und zugleich unterhaltsame Dokumentation über Transsexualität, female to "FUCK YEAH"!