Unser Wien – wessen meinen? (Diagonale 2014)

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Eine Filmkritik von Jannik Rakusa zu Unser Wien, Regie: Hanns Matula, AT 1963/64.

 

"Der Weg ins Freie" lautet das dritte Kapitel der Programmierung " 50 Jahre Österreichisches Filmmuseum: Ein anderes Land". Dass es nicht nur "den einen Weg", und nur eine Wahrnehmung " des Freien" gibt, demonstriert die Auswahl von 5 Produktionen aus den Jahren 1957- 1967. Während Jörg Ortner in Eine Fuge fragmentarisch die Dynamik des sich paradox entwickelnden Großstadtlebens zeigt, dass hier auch bildlich des Öfteren auf dem Kopf steht, betrachtet Unser Wien von Hanns Matula die Stadt aus einem ganz anderen Blickwinkel.

 

Vor ab: Bei Unser Wien handelt es sich um eine Imageproduktion bezüglich des Städtebaukonzepts der Stadt Wien 1963, womit die Intention zwangsläufig eindeutig ist. Die Form zur Umsetzung auf die man sich damals geeinigt hat lässt einen dann aber doch staunen. In knapp 50 Minuten rühmt man sich ob der prächtigen Bauten, des gesellschaftlichen Lebens und der zukünftigen Vorhaben. Dieses Sujet ist in eine Spielfilmhandlung eines bestimmten Genres eingebettet, dass andere Filmemacher dieser Zeit hat auf die Barrikaden gehen lassen. Dem Heimatfilm.

 

So wird man gleich zu Beginn orchestral weichgespült, und ehe man sich versieht, schwebt man mit den Protagonisten hoch über den Wolken gen Wien. Da in Schwechat Bodennebel gemeldet ist verzögert sich der Landeanflug, den Protagonisten bleibt somit Zeit sich über ihre Vorstellungen beziehungsweise Erfahrungen mit Wien auszutauschen. Auffällig dabei sind sogleich die genretypischen Professionen der Akteure. Es unterhalten sich ein Beamter, ein Ingenieur, eine gut situierte Dame, und die junge Millionärstochter Peggy (Johanna Matz), die nach Wien kommt um Tänzerin zu werden. Angelpunkt der Konversation ist Heinz Conrads als "guter Wiener". Er beantwortet Fragen zur Stadt, räumt Vorurteile aus und leitet mit seinen hellseherischen Fähigkeiten die Überblendungen ein, die seiner Argumentation Zeugnis tragen sollen. Diese bestehen zum großen Teil ebenfalls aus Spielfilmsequenzen der Protagonisten und schrecken nicht davor zurück das gutbürgerliche Leben in den Vordergrund zu stellen. So verliebt sich beispielsweise die junge Peggy in einen Wachtmeister (gespielt von Peter Weck) der zugleich auch Gesang studiert.

 

Unweigerlich muss man einige male laut auflachen, ob der Tatsache dass hier ein Genre  bemüht wird, dessen überschaubare Substanz ihm den Ruf eingebracht hat, realitätsfern zu sein. Die fiktiven Sequenzen nehmen allerdings nicht den kompletten Raum ein. So beinhaltet der Film einige Einstellungen, die ihn zu einem historisch sehr wertvollen Dokument machen. Große Modellbauten der Stadtplanung, sowie Luftaufnahmen von Fundamentbauten, dem Bau der dritten Donaubrücke, oder der sich im Bau befindende Donauturm. Es werden viele Örtlichkeiten gezeigt, deren Zustand mit dem heutigen abzugleichen ungemein viel Freude bereitet.

 

Wie die Spielfilmhandlung endet wird sich jeder Leser selbst zusammenreimen können, aber trotzdem wartet der Film noch mit einer Überraschung zum Schluss auf. Zu allerletzt meldet sich der damalige Bürgermeister Franz Jonas zu Wort, um nochmal zu betonen, dass der Fleiß der Wiener beweist, dass sie ihre Tage nicht nur in "Heurigen-Stimmung" und "Backhendl-Seligkeit" verbringen. Wer jetzt noch nicht davon überzeugt ist, der wird es wohl auch in Zukunft nicht mehr sein.