There's Nothing Funny About a Clown in the Moonlight (Diagonale 2013)

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Eine Filmkritik von Eva-Maria Kleinschwärzer zu A Messenger from the Shadows (Notes on Film 06 A/Monologue 01), Regie: Norbert Pfaffenbichler, AT 2012.

 

Der Film A Messenger from the Shadows lässt sich in die Reihe Notes on Film von Norbert Pfaffenbichler einordnen, die der Regisseur selbst als Gesichts-und Geschichtsstudie bezeichnet. Pfaffenbichler ergründet mittels Found Footage Filmen und der Montage des Materials entweder die Darstellungsweisen einer konkreten Person zu verschiedenen Zeiten wie etwa Hitler (Conference, 2011) oder – wie in diesem Film – die Kinogeschichte eines einzelnen Darstellers, dessen verschiedene Rollen zu einem Film verschmolzen werden.

 

A Messenger from the Shadows ist ein Mosaik aus Szenen eines einzigen Schauspielers: Lon Chaney, der von 1912-1930 in etwa 200 Filmen mitspielte und dank seiner Wandelbarkeit als "Mann der 1000 Gesichter" bezeichnet wurde. Tatsächlich ist man sich in den ersten Minuten noch unsicher angesichts der Vorstellung, dass es sich hier um nur einen Schauspieler handeln kann, denn nicht nur Mimik und Gestik variieren stark, sondern auch Kostüme, Maske und Rollen. Schnell gewinnt man auch den Eindruck, dass hauptsächlich mit Melodramen und mit Horrorfilmen gearbeitet wurde, die bevorzugten Genres, in denen Lon Chaney spielte.

 

Ein besonders interessanter Aspekt besteht darin, dass durch die Montagetechnik und die Bandbreite der Filme auch Gemeinsamkeit herausgefiltert werden können, ein kompletter Gesten- und Genrekanon, der im frühen Kino und vor allem im Stummfilm eine große Rolle spielt, aber auch der Blick der Kamera auf den Mann (alle anderen Darsteller, hauptsächlich Frauen wurden im Film nicht gezeigt) und Einstellungsgrößen lassen auf verschiedene Modeerscheinungen in der Ästhetik des Films zu dieser Zeit schließen.

 

Je mehr man von dem Film gesehen hat, desto mehr entwickelt sich auch der Eindruck einer schizophrenen Person, im eigenen Film gefangen, in Zwiegesprächen mit sich selbst, geliebt und angegriffen, Monster und Schönling zugleich. Hier wird das Melodram eines einzigen Schauspielers sichtbar, ein Konglomerat aus allem Rollen Chaneys, die zumeist tragisch enden. Norbert Pfaffenbichler verwendet bei seinem Film außerdem die originalen Zwischentitel und schneidet Sie zu ganzen Gesprächen, die vor allem in der Mitte des Films – ganz untypisch – gleich mehrere Minuten lang sind und setzt diese Fragmente zu einem surrealen Gespräch zusammen.

 

Die eigentliche Tragik des Films besteht darin, dass Chaney in diesem Film gefangen zu sein scheint, alle Begebenheiten mit sich selbst austragen muss, sich selbst gleichsam zerstört um dann doch wieder – und mit jedem Film erneut – auferstehen zu müssen. Vor allem die lange Dauer des Films gab auch dem Zuschauer zuweilen das Gefühl, selbst in einer Endlosschleife gefangen zu sein und dem langwierigen und verzweifelt wirkenden Spiel des Einzeldarstellers zusehen zu müssen: teilweise dem Spannungsbogen folgend, teilweise an der Grenze zur Apathie, denn ab einem gewissen Zeitpunkt glaubt man, nun alle Variationen zu kennen und analysiert zu haben und es bleibt nur ein einziges Gesicht von den tausenden übrig.