Radax und der Grazer Underground (Diagonale 2012)

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Eine Filmkritik von Iris Singer zu Forum Dichter Graz, Regie: Ferry Radax, AT 1967.

 

Der Film Forum Dichter Graz wurde als Auftragswerk an Ferry Radax herangetragen. Radax, ein Avantgardefilmer und Wegbegleiter von Peter Kubelka, setzte sich also damit auseinander einen Film zu gestalten, der seinen typischen Stil trägt, gleichzeitig aber für ein breitgefächertes ORF Publikum zugänglich und vor allem von diesem auch verstanden werden sollte.

 

Forum Dichter Graz setzt sich zusammen aus fünf Portraits damals noch junger und relativ unbekannter Schriftsteller, die aus ihren Werke vorlesen und so bizarre Figuren ins Leben rufen. So zeigt sich Barbara Frischmuth in einem weißen nonnenähnlichen Kostüm wie eine geisterhafte Erscheinung an einem Bootssteg stehend und aus ihrem Buch vortragend. Wolfgang Bauer präsentiert sich in gleich mehreren Fassetten, als Calingula die schönen Bäuerinnen beobachtend bzw. mit einer der Frauen im Apfelputzen (Tonebene) bzw. Maiskolbenhaufen (Bildebene) sitzend, als auch als Wolfgang Bauer selbst im Gras liegend, rauchend oder sich die Kleidung vom Leib reißend.

 

Ferry Radax inszenierte bzw. porträtierte nicht nur Autoren des Form Stadtpark – so nannte sich der Grazer Künstlerzusammenschluss –, sondern verbildlichte auch die von ihnen geschriebenen Texte. Obwohl die Szenen inszeniert wurden, wirken sie nicht immer so. Man lernt eine sehr skurrile aber auch persönliche Seite der Autoren kennen.

 

Radax setzt sowohl auf die Verfilmung der geschriebenen Werke, als auch auf ein authentisches Bildnis der Dichter, indem er immer wieder Einstellungen von Zusammenkünften, gemeinsamen Interviews und künstlerischen Diskussionen zeigt. Radax selbst ist bei diesen ebenfalls als junger Mann zu sehen, außerdem z.B. bei der Geschichte über die schöne Sängerin und die brave Wirtin.

 

Ferry Radax zeigt abstrakte, aber gleichzeitig auch sehr einfühlsame Portraits einer Schaffensgemeinschaft, die sich abseits der bisherigen gesellschaftlichen Ordnung bewegte, ja sogar gegen diese rebellierte und somit auch mit dem Gesetz in Konflikt kam.