QVID TVM (?) – Aus der Not eine Tugend machen (Diagonale 2012)

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Eine Filmkritik von Felicitas Turek zu QVID TVM, Regie: Mara Mattuschka mit Reinhard Jud, AT 2011.

 

Das Konzept ist erstellt, das mitwirkende Ensemble sowie die Filmcrew bestellt, das Haus für den Drehort angemietet – und dann fehlt plötzlich der Sponsor für das gesamte Filmprojekt aus. Was nun?

 

Vor dieser Frage sah sich Mara Mattuschka kurz vor ihrem Drehbeginn gestellt. Geplant war eine Dokumentation über die Entstehung von Alberti, einem Gelehrten der Renaissance. Der Bezug zur Renaissance war am Ende alles, was davon geblieben ist.

 

Innerhalb von 16 Tagen wurde dieser bemerkenswerte, schwer zu kategorisierende Spielfilm gedreht, dessen Drehbuch nur in Mara Mattuschkas Kopf – wenn überhaupt – existiert hat. Denn sie selbst vermerkt, dass sie alles im Kopf gespeichert, vorwiegend aus dem Inneren heraus und lediglich mit Skizzen und Notizen arbeite.

 

Eine Reihung experimenteller Aufnahmen, sei es gewesen. Die Geschichte begann praktisch vor Ort zu leben, sich zu entwickeln und seine eigene Dynamik wie Struktur zu erzeugen.

 

Die Fischaugen-Perspektive, wie es Gucki repräsentiert, ist auch in Mara Mattuschkas Malerei selbst zu finden und bezeichnet eine Bildsprache, die sich ebenso in ihren Filmen durchzieht. Gucki ist das Auge des Films, des Geschehens, sie sieht alles und ist gleichzeitig der Verknüpfungspunkt. Weiters ist die Ausdrucksmöglichkeit des Körpers eine der augenfälligsten Methoden, die die Geschichte und seine initiierten Emotionen verschärfen, seine Spannung heben und gleichzeitig tief empathisierend vorangehen.

 

So verfolgt man die auftauchenden Bilder, seine eigenwilligen Bewohner und kuriosen Besucher. Die Abstraktion scheint dabei um jede Ecke zu lauern, das Absurde ist ganz normal. Menschliche Beziehungen werden verdichtet, unterschiedliche Rollen ausgelebt, übertrieben, übersteigert.

 

Aus der Not eine Tugend zu machen, das ist es was Mara Mattuschka in ihrem Film QVID TVM, gemeinsam mit ihrem ebenso bemerkenswerten Ensemble und Filmteam, meisterlich geglückt ist.