Pure Provokationspoesie (Diagonale 2013)

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Eine Filmkritik von Maximilian Röhrle zu I Was A Teenage Zabbadoing, Regie: Carl "Caro B." Andersen, AT 1988.

 

Über guten Geschmack lässt sich streiten. Bei Carl Andersens I was a Teenage Zabbadoing kommt man an einem Streit kaum vorbei. Ein Teil hält es für abstoßend und widerwärtig, während der andere es zur großen Trash-Kunst erhebt. Dazwischen wird man wenige Meinungen finden. Andersens Film trägt eigentlich den Namen I was a Teenage Zabbadoing and the Incredible Lusty Dust-Whip from Outer Space Conquers the Earth Versus the 3 Psychedelic Stooges of Dr. Fun Hesling and Fighting Against Surf-Vampires and Sex-Nazis and Have Troubles with This Endless Titillation Title. Damit wäre eigentlich schon alles gesagt. Der Film strotzt – schon bevor man ihn überhaupt gesehen hat – vor Provokationslust.

 

Zur Erklärung: Zabbadoings sind sexsüchtige Zombie-Vampire infiziert durch Olivenöl vom Planeten Arus. Das Ziel ist die Nachfahren des Dr. Fun Helsing, die sich in Wien der späten 1980er Jahre in einer Subkultur organisieren, auszurotten. Die Anspielung auf Bram Stokers Figur und die Ironisierung des Vampir-Archetyps lässt die Diskussionen in Vampir-Foren hochkochen. Dabei sind wieder zwei Positionen zu beobachten: Die einen halten es für Trash (im wahrsten Sinne des Wortes), die anderen feiern den Film als einzigen wirklichen Beitrag zum Cinema of Transgression, das in den USA 1980er Jahre durch Filmemacher wie Nick Zedd oder Richard Kern Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Referenz auf den Vampirmythos bleibt nicht die einzige im Laufe des Filmes. Der Regisseur lässt sich beispielsweise im Titel als "Zephod Beeblebrox" listen, eine zweiköpfige Figur aus dem Science-Fiction Klassiker Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams.

 

Der Film ist fest verankert in der Wiener Subkultur, die Andersen entscheidend mitgeprägt hat. Mit dem zeitlichen Abstand von über 20 Jahren liefert I was a Teenage Zabbadoing einen tiefen Einblick in die Szene rund um Avantgarde, Synthetic Pop, Dada und Industrial Musik gekleidet in Lack und Leder. Die Lowest-Budget Produktion wurde mit einer für das Cinema of Transgression üblichen Super-8 Kamera gedreht. Den Soundtrack liefert die bis heute aktive Band Modell D'oo. Der Film gewinnt wegen dieser Kombination von Visuellem und Auditivem an Charme. Andersen schafft es poetische Elemente im Trash-Gewand festzuhalten und dabei niemals die Punk Attitüde, die dem Film zweifelsohne zu Grunde liegt, aus den Augen zu verlieren. Drogengeschwängerte Sexorgien müssen nicht per se abstoßend wirken, wenn sie in einen passenden Kontext gesetzt werden. Das zeigt I was a Teenage Zabbadoing eindrucksvoll auf. Wo Kunst anfängt bzw. aufhört, das liegt im Auge des Betrachters und ist von dessen Sehgewohnheiten abhängig. Die Sehgewohnheit beeinflusst Andersens Werk ohne Zweifel. Ob zum Positiven oder Negativen sei dahingestellt.

 

Besonders wertvoll wird der Film, wenn man bedenkt, dass aktuelle Regisseure, wie Peter Jackson oder Quentin Tarantino, das Trash-Kino dieser Zeit als große Inspirationsquelle sehen und dennoch im Mainstreamkino große Erfolge feiern. Der Erfolg blieb beim Carl Andersen jedoch zeitlebens  aus. Die fehlende Anerkennung seiner Werke verkraftete der Filmemacher nie. Im Jahr 2012 verstarb er mit nur 54 Jahren in seiner Berliner Wohnung. Mehr als 20 Jahre später nimmt sich nun das Institut Schamlos seiner Werke an und versucht eine Plattform für Filme, wie er sie geschaffen hat, zu etablieren. Dabei verführt sein filmischer Nachlass in Kombination mit seiner tragischen Lebensgeschichte zur Mystifizierung seiner Person. Nötig hätte er das mit Sicherheit nicht, denn seine Filme stehen für sich alleine. Aber das Volk schreit nach Mythen. Also wird der Hunger nun bedient. Mal sehen, was für Schätze noch in den Archiven der alten Dame Wien schlummern. I was a Teenage Zabbadoing hat die Messlatte auf jeden Fall sehr hoch angesetzt.