"Optische Speicherungen" (Diagonale 2014)

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Eine Filmkritik von Michael Reinhard zu The End of the Gang of Four, Regie: Manfred Neuwirth, AT 1993.

 

Auf der diesjährigen Diagonale wurden, anlässlich des 60.Geburtstages der Personale Manfred Neuwirth, viele seiner Werke vorgestellt. Unter anderem dessen Tibet-Reihe, eine Thematik die ihm sehr am Herzen liegt, wie sein langjähriges Engagement zur Unterstützung Tibets zeigt. In einem anschließenden Interview bekräftigte er, dass er sich durchaus auch als politischer Filmemacher sehe. Deutlich werden diese Ambitionen vor allem in seinem Kurzfilm "The End of the Gang of Four". Dieser kann als Prolog für seine erst später folgende Reihe verstanden werden. Entstanden bzw. gefilmt auf seinen Reisen durch China um 1977, also kurz nachdem die chinesische Kulturrevolution ihr Ende nahm, aber erst 1993 fertiggestellt und veröffentlicht, nimmt er hierbei eine ziemlich eindeutige Position ein. In drei Abschnitten eingeteilt zeigt der Film – es hat sich nichts verändert. Aus dem Ende der Vier ist kein neuer Anfang entsprungen.

 

Mit kräftigen Trompetenklängen wird der Titel im ersten Bild freudig begrüßt. Es beginnt eine schnelle Bilderabfolge, verknüpft mit einem sich diesem Rhythmus anpassenden Liedausschnitt der durch seine ständige Wiederholung eine fast kindliche Naivität vermittelt. Das vollständig in Super 8 gedrehte Footage, mit seinen verpixelten und verschwommen Aufnahmen verleiht dem Kurzfilm dabei eine sehr malerische Komponente. Unterbrochen wird diese Abfolge durch eine etwas verwackelte Standbildaufnahme in Zeitlupe und ohne Ton. Vier Kinder laufen einer Leinwand entgegen worauf die "Die Vier" abgebildet sind, sammeln bereitgestellte Lumpen auf und bewerfen sie mit diesen. Es folgt eine weitere beschleunigte Bilderfolge, das Lied setzt wieder ein. Wobei sich jetzt die im ersten Abschnitt gezeigten Bilder lediglich in anderer Reihenfolg wiederhohlen. Hierbei überschneiden sich Zeitebenen, die anscheinend willkürlich aneinander gereiht werden. Eine optische Speicherung die - das Gedächtnis als Zufallsgenerator ausstellt.

 

Erst gegen Ende tauchen neue Sequenzen auf, wirken jedoch wie ein Abgesang. Man hat das Gefühl Neuwirth dreht China langsam den Rücken zu, schon in Erwartung den frei gewordenen Speicherplatz endlich neu füllen zu können.