Nicht denken,… nur beobachten,… Das ist alles (Diagonale 2014)

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Eine Installationskritik von Simon Baumann zu Scapes and Elements, Installation von Manfred Neuwirth, AT 2014 (Graz, esc medien kunst labor).

 

Man geht zuerst durch den von Tönen und Melodien geschmückten Raum um sich einen Überblick zu verschaffen. Fünf Bildschirme mit Landschaften hängen an der Wand. Man setzt sich und beginnt den sanften Dialog mit dem Bild. Viel tut sich in den jeweils 10 Minuten langen Einstellungen erst mal nicht,… im großen Ganzen,… im Kleinen jedoch versteckt sich die wahre Qualität der Aufnahmen. Wasser, Erde, Feuer, Luft und das in der japanischen Kultur integrierte Element Raum - die fünf Elemente Neuwirths.

 

Egal ob man auf den Schweizer Bergen sitzend die Bergbahn beobachtet, wie sie leise den Berg hinaufschleicht oder auf die Wellen eines Schiffes vor der Küste Griechenlands wartet, bis sie das Ufer erreichen, wer Zerstreuung sucht und weg von sich selbst möchte, ist hier richtig. Es geht um die Schärfung der Sinne mithilfe statischer, reduzierter Einstellungen. Kein Schwenk, keine Zeitsprünge, keine Überblendung, keine Ortswechsel. Viel Raum, Ruhe und Natur. 10 Minuten ist keine lange Zeit, doch hier kommen sie einem wie eine abwechslungsreiche Ewigkeit vor. Man sieht, man hört, man spürt, man denkt und je länger man dies tut, desto intensiver wird das Erlebnis. Man wird sensibler und bemerkt die Bewegung im Detail: das Gras, wie es durch den Wind niedergedrückt wird und sich immer wieder erhebt, die unterschiedlichen Lichtverhältnisse, durch die Wolken verursacht und der Nebel, wie er sich wie ein sanfter Schleier über das Observatorium legt.

 

Der Ton spielt für Manfred Neuwirth immer eine große Rolle, oftmals eine größere als das Bild selbst. Eine gemischte sinnliche Klangwelt erheben die Landschaften in eine meditative Welt, welche eine neue Wirklichkeit der Natur zeigt. Eine Wirklichkeit, wie sie auch entsteht, wenn man im hohen Schnee liegt und leise die Schneeflocken hört, wie sie im Boden bedecken. Alles hört sich dumpf an, wie durch Watte, das den Fokus nicht auf den Betrachter zurückwirft sondern immer wieder in das Bild lenkt. Die Bilder der Landschaften treiben einen nicht unbedingt zur Selbstreflexion, vielmehr lösen sie einen von sich selbst, um gänzlich in das dumpfe Rauschen der Berge hinein gleiten zu können.

 

Scapes and Elements ist eine Klang- und Bildkomposition, die sich gänzlich auf den Sinnen abspielt und auch mit ihnen spielt. Ton und Bild korrespondieren miteinander und ergeben zusammen ein wundervoll komponiertes Konzept einer Welt, welche die Sinne anregt und schärft. Die Präzision und Genauigkeit der Bilder, Perspektivenauswahl und Tonmischung ist spürbar und genau das sollte die Installation auch sein: spürbar,… mit allen Sinnen.