Zeitschleifen 1962

Der Regisseur Herbert Vesely
Vortrag von

Elisabeth Büttner

Filmwissenschaftlerin. Professorin für Theorie des Films an der Universität Wien. Wissenschaftliche Leiterin der Kooperative das kino co-op, Wien. Zuletzt: Redaktionsleitung der Heftedition Filmhimmel Österreich, Filmarchiv Austria, 2005–2008. (Hg. mit Andrea Braidt): John Cassavetes. Filmmaker, 2009; (Hg. mit Joachim Schätz): Werner Hochbaum. An den Rändern der Geschichte filmen, 2011.

Forschungsschwerpunkte: Historizität und Filmgeschichte, Ausdruckstheorie der Körper, Filmavantgarden.

Video
Veranstaltungsreihe

Provokation der Wirklichkeit. 50 Jahre Oberhausener Manifest

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium

Das Wiener Symposium zu 50 Jahre Oberhausener Manifest, 7.-8.6.2012 im Österreichischen Filmmuseum

Donnerstag, 7. Juni 2012 - 17:00
Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, A - 1010 Wien

Die Erwartungen sind immens, die Indizien vielversprechend. Ein junger österreichischer Filmemacher, formal ambitioniert, im Kurzfilm erprobt und im Ausdruckskanon der Neuen Wellen besehen, exiliert nach Deutschland. Er findet Gleichgesinnte und einen literarischen Stoff. Heinrich Bölls Erzählung Das Brot der frühen Jahre wird für den Medienwechsel vorgesehen, und die Autoren der Zeitschrift Filmkritik mutmaßen, Herbert Vesely wird nach Jahren der Dürftigkeit des deutschen Kinos einen "Beitrag zur Weltkinematografie" vorlegen. Das Ergebnis spaltet. Vesely hat nicht nur versucht, narrative Konventionen hinter sich zu lassen, er misstraut generell der Geschichte: als Wirkmotor im Film, als politischer Kraft der Gesellschaft. Sein Hunger ist das gelungene Bild, die Haptik des Materials, die Spirale der Wiederholungen, das Dreieck der Gleise, das einen Ort in Berlin markiert und die Wahrnehmung ständig in neue Richtungen zieht. Handlung braucht keine Motivation, eher den intensiven Blick, der verführt. Dauer ist dieser Haltung fremd. Sie wäre "ein Ratschlag neben der Zeit", von dem die Väter zu berichten wussten. Und deren Kino ist mit Das Brot der frühen Jahre unwiderruflich angezählt.