Zeitschichten und nichtlineares Erzählen bei Alexander Kluge

Vortrag von

Wolfgang Reichmann

Studium der Germanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz; 2008-2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter und derzeit Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik in Graz; Arbeit an einer Dissertation über Hans Magnus Enzensberger. Wichtigste Veröffentlichung: Der Chronist Alexander Kluge. Bielefeld: Aisthesis 2009.

Video
Veranstaltungsreihe

Symposium: Die Frage des Zusammenhangs

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext

Informationen zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext, 7.-9.10.2010

 

Alexander Kluges Werk ist ein stetig anwachsendes work in progress, das sich über den permanenten Wechsel der Medien artikuliert: Literatur, Film, Fernsehen, Internet, Medien- und Gesellschaftstheorie – auf diesen Feldern arbeitet Kluge seit einem halben Jahrhundert am mikrologischen Modell einer kommunizierenden Gegenöffentlichkeit, einem kritischen Modell, in dem die Asymmetrie zwischen AutorInnen und RezipientInnen weitgehend eingezogen scheint: "Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers."

Samstag, 9. Oktober 2010 - 10:00
Campus Universität Wien / Aula, Spitalgasse 2/Hof 1, A-1090 Wien

In seinen Büchern entfaltet Alexander Kluge einen literarischen Kosmos, der von der Zeit 20 Milliarden Jahre v. Chr. bis ins 22. Jahrhundert reicht. Als 'Chronist' geht Kluge dabei nicht linear vor, folgt keiner traditionellen Chronologie, sondern vernetzt die Funde seiner historischen Grabungen zu vielschichtigen Netzwerken. Kluges Geschichten bewegen sich dabei immer Tür an Tür mit einer anderen 'Zeit', um einen seiner jüngsten Buchtitel zu variieren. So 'gräbt' er in seiner Chronik der Gefühle etwa vom "Jahr 2000 über 1989 bis zu Gilgamesch" und stellt fest, "dass in den Zeiten über die ich schreibe, diese alten Zeitzonen enthalten sind. […] Wir tragen tatsächlich die Traditionen aller toten Geschlechter in unseren Köpfen". Der Vortrag fragt ausgehend von Kluges eigenem poetologischen Begriffsinventar und anhand ausgewählter Beispiele aus dem erzählerischen Gesamtwerk nach der Bedeutung von Zeitschichten und der Funktion der damit verbundenen nichtlinearen Erzählstrategien.