Praxis der Gleichgültigkeit
Vlado Kristls Lyrik teilt mit einigen seiner Filme die Eigenschaft, Sprach- bzw. aufgenommenes Material - Ding, Szenerie, Himmel, leere Stellen (Passepartout, Horizont), Bewusstseinssystem - als gleich geordnete bzw. gleich-gültige Wirklichkeitsfragmente zu behandeln. Diese Praxis der Gleichgültigkeit entspricht seiner Poetik einer bewussten Dezentrierung und damit Enthierarchisierung von Darstellbarem und ist darin aktive Institutionskritik. In dieser Poetik hat der Rahmen eine ambivalente Funktion: Einerseits grenzt er markierend ab und verweist auf ein Zentrum dies- oder jenseits der Grenze, andererseits kann er – sich selbst in den Vordergrund stellend – andeutungsweise ins Zentrum rücken. So scheinen Dargestelltes, Rahmen und Ausgelassenes permanent in eine Waagschale geworfen, die Kristl scheinbar ausbalancieren will. Vielleicht, um auf diese Weise "mit der Anarchie auszukommen".
