Praxis der Gleichgültigkeit

Vlado Kristls Lyrik
Vortrag von

Marietta Böning

Freischaffende Lyrikerin und Kulturwissenschafterin. Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Psychologie in Gießen, Studium Kulturmanagement und Kulturwissenschaft in Wien. Zuletzt erschienen: "Ist die Netzkultur ein autonom bestimmtes System?", in: Geistiges Eigentum und Originalität: Zur Politik der Wissens- und Kulturproduktion, hg. v. Odin Kröger u. a., 2011. "Moment-Stills in Bremsspuren. Zur Formfindung zwischen Gedächtnis und Lücke in Peter Roseis Lyrik", in: Advanced Rosei, hg. v. Clemens K. Stepina, 2011.

Video
Veranstaltungsreihe

Der Mond ist ein Franzose. Workshop zu Vlado Kristl

Coverausschnitt von Vlado Kristl. Der Mond ist ein Franzose

Anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Ausgabe von Maske und Kothurn mit dem Titel "Vlado Kristl / Der Mond ist ein Franzose" veranstalten die HerausgeberInnen einen zweitägigen Workshop.

Samstag, 19. November 2011 - 17:45
KUNSTHALLE wien, Ursula Blickle Videolounge, Museumsquartier, Museumsplatz 1, A-1070 Wien

Vlado Kristls Lyrik teilt mit einigen seiner Filme die Eigenschaft, Sprach- bzw. aufgenommenes Material - Ding, Szenerie, Himmel, leere Stellen (Passepartout, Horizont), Bewusstseinssystem - als gleich geordnete bzw. gleich-gültige Wirklichkeitsfragmente zu behandeln. Diese Praxis der Gleichgültigkeit entspricht seiner Poetik einer bewussten Dezentrierung und damit Enthierarchisierung von Darstellbarem und ist darin aktive Institutionskritik. In dieser Poetik hat der Rahmen eine ambivalente Funktion: Einerseits grenzt er markierend ab und verweist auf ein Zentrum dies- oder jenseits der Grenze, andererseits kann er – sich selbst in den Vordergrund stellend – andeutungsweise ins Zentrum rücken. So scheinen Dargestelltes, Rahmen und Ausgelassenes permanent in eine Waagschale geworfen, die Kristl scheinbar ausbalancieren will. Vielleicht, um auf diese Weise "mit der Anarchie auszukommen".