Obermünchhausener Topografie

Vortrag von

Heinrich Adolf

Geb. 1960. Studium der Philosophie.

Publikationen u. a.: Mittelalter im Film, 2006; Der absolute Film. Dokumente der Medienavantgarde (1912–1938), erscheint im Juni 2012.

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Veranstaltungsreihe

Provokation der Wirklichkeit. 50 Jahre Oberhausener Manifest

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium

Das Wiener Symposium zu 50 Jahre Oberhausener Manifest, 7.-8.6.2012 im Österreichischen Filmmuseum

Freitag, 8. Juni 2012 - 11:00
Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, A - 1010 Wien

Als "Obermünchhausener" bezeichneten Kritiker einst die Unterzeichner des Oberhausener Manifests spöttisch. Aber nicht nur um jene damals jungen Regisseure, Kameramänner und Produzenten als Lügenbarone zu diffamieren, weil auf ihre Ankündigung, den deutschen Film radikal zu reformieren, nicht sogleich Taten, sprich aufwendige Spielfilme folgten, Obermünchhausener hießen diese Kinorebellen nicht zuletzt auch deshalb, weil sie fast ausnahmslos in München beheimatet waren. Die Oberhausener Gruppe bildete zwar den personellen Kern des sogenannten Neuen deutschen Films. Mit ihnen – teils enger, teils lockerer – assoziiert waren indes auch Filmemacher, die das Manifest zwar nicht unterzeichnet hatten, aber Inhalte und Forderungen der Gruppe in verschiedenen Abstufungen mittrugen (z. B. Ulrich Schamoni), mit Gruppenmitgliedern zusammenarbeiteten (z. B. Peter Berling), in den Genuss von deren filmpolitischen Aktivitäten kamen (z. B. Volker Schlöndorff), eine kritische Distanz zu ihr einnahmen (z. B. Vlado Kristl) oder aus deren Defiziten Impulse für eigene Initiativen ableiteten (z. B. Thomas Schamoni). Dies alles geschah in der Atmosphäre einer umfassenden politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umwälzung, die sich in den "Schwabinger Krawallen" im Juni 1962 erstmals entlud und ab 1967/68 in eine langfristige Veränderung der BRD mündete. Ausgehend von der Vorgeschichte der Proklamation des Oberhausener Manifests möchte ich in meinem Vortrag, 1. die Pionierphase des Neuen deutschen Films in ihren verschiedenen Facetten kurz skizzieren, 2. das Agieren der Oberhausener Gruppe in ihrer Vernetzung mit anderen kulturpolitischen Aktivitäten der BRD darstellen, und 3. diese Hintergründe verknüpfen, um darüber zu einer umfassenderen Darstellung filmästhetischer, aber auch intellektueller Entwicklungslinien Westdeutschlands bis 1967 zu gelangen.