Narrative Übersetzungen einer aktenkundigen Versuchsanordnung
Alexander Kluges Prosa-Arbeiten wird immer wieder Kälte bzw. ein 'kalter Blick' attestiert, was nicht zuletzt auf den protokollarischen bzw. dokumentarischen Stil seiner Erzählungen zurückzuführen ist. Dies trifft zweifellos auch auf die Kurzgeschichte Ein Liebesversuch zu. Obwohl Kluge den 'Wirklichkeitskern' der Geschichte – ein medizinisches Experiment in einem Konzentrationslager – kaum in anderen Geschichten oder Filmen aufgreift bzw. weiterschreibt, übersetzt er die Kurzgeschichte in Form einer Text- und Dokumentmontage, die 1998 im Kulturmagazin PRIMETIME/Spätausgabe gesendet wurde, wodurch sich das Verhältnis von Dokument und Fiktion erneut stellt. Der dokumentarischen 'Kälte' Kluges wird in diesem Beitrag dem "Terror der Faktizität" (Gertrud Koch) gegenübergestellt, der in zahlreichen ZeugInnenberichten von Überlebenden der Shoah zum Ausdruck kommt. Auf diese Weise soll der Frage nachgegangen werden, auf welch unterschiedliche Weise durch den betont sachlichen Stil 'Wirklichkeit' verhandelt wird.
