Narrative Übersetzungen einer aktenkundigen Versuchsanordnung

Alexander Kluges "Ein Liebesversuch"
Vortrag von

Veronika Zangl

Promotion 2004 an der Universität Wien, Institut für Germanistik, mit einer Dissertation zum Thema Poetik nach dem Holocaust. ZeugInnenberichte von Überlebenden nationalsozialistischer Vernichtungspolitik. 2005/2006 Forschung zu frühen Zeugenberichten des Holocaust am Netherlands Institute for War Documentation. Seit Wintersemester 2006 Lektorin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie am Institut für Germanistik, Universität Wien. 2009/10 Projektmitarbeiterin beim Sparkling-Science-Projekt "(Un)Doing Gender als gelebtes Unterrichtsprinzip".

Video
Veranstaltungsreihe

Symposium: Die Frage des Zusammenhangs

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext

Informationen zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext, 7.-9.10.2010

 

Alexander Kluges Werk ist ein stetig anwachsendes work in progress, das sich über den permanenten Wechsel der Medien artikuliert: Literatur, Film, Fernsehen, Internet, Medien- und Gesellschaftstheorie – auf diesen Feldern arbeitet Kluge seit einem halben Jahrhundert am mikrologischen Modell einer kommunizierenden Gegenöffentlichkeit, einem kritischen Modell, in dem die Asymmetrie zwischen AutorInnen und RezipientInnen weitgehend eingezogen scheint: "Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers."

Freitag, 8. Oktober 2010 - 17:30
Campus Universität Wien / Aula, Spitalgasse 2/Hof 1, A-1090 Wien

Alexander Kluges Prosa-Arbeiten wird immer wieder Kälte bzw. ein 'kalter Blick' attestiert, was nicht zuletzt auf den protokollarischen bzw. dokumentarischen Stil seiner Erzählungen zurückzuführen ist. Dies trifft zweifellos auch auf die Kurzgeschichte Ein Liebesversuch zu. Obwohl Kluge den 'Wirklichkeitskern' der Geschichte – ein medizinisches Experiment in einem Konzentrationslager – kaum in anderen Geschichten oder Filmen aufgreift bzw. weiterschreibt, übersetzt er die Kurzgeschichte in Form einer Text- und Dokumentmontage, die 1998 im Kulturmagazin PRIMETIME/Spätausgabe gesendet wurde, wodurch sich das Verhältnis von Dokument und Fiktion erneut stellt. Der dokumentarischen 'Kälte' Kluges wird in diesem Beitrag dem "Terror der Faktizität" (Gertrud Koch) gegenübergestellt, der in zahlreichen ZeugInnenberichten von Überlebenden der Shoah zum Ausdruck kommt. Auf diese Weise soll der Frage nachgegangen werden, auf welch unterschiedliche Weise durch den betont sachlichen Stil 'Wirklichkeit' verhandelt wird.