Maßverhältnisse des Historischen
Die Maßverhältnisse des Historischen verändern sich, wenn man die Gattungsgeschichte in die Beurteilung historischer Verläufe ebenso wie in die Analyse der Gegenwart 'hineinrechnet'. Immer wieder, in seinen Filmen, in seinen "Lebensläufen", in der "Chronik der Gefühle" und in Geschichte und Eigensinn rechnet uns Alexander Kluge diese Verschiebung in den Maßverhältnissen vor – ein Unruhemoment, das sich seinem Geschichtsbegriff mitteilt, genauer: Geschichte und unser Nachdenken über Geschichte zu begreifen. Ein Unruhemoment, das leise die zementierten Gewissheiten unterwandert, dem Lagerdenken eine entschiedene Absage erteilt, eher spielerisch verfährt und niemals polemisiert - Polemik von einem festen 'Standpunkt' aus wäre ja eine Konzession an jene als falsch erkannte These der Stabilität: "Von der These der Instabilität der Verhältnisse auszugehen, ist plausibler als von der These der Stabilität aus zu denken."
