Maßverhältnisse des Historischen

Begriff und Begreifen der Geschichte bei Alexander Kluge
Vortrag von

Klaus Kreimeier

Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte, 1964 Promotion an der FU Berlin. Fernsehdramaturg, "Spiegel"-Redakteur, Dozent an der Deutschen Film-und Fernsehakademie Berlin, ab 1976 freier Autor. Zahlreiche Reisen durch Schwarzafrika (Geborstene Trommeln, Frankfurt/M. 1985). 1997 bis 2004 Professor der Medienwissenschaft an der Universität Siegen; Mitglied im DFG-Forschungskolleg "Medienumbrüche".

Video
Veranstaltungsreihe

Symposium: Die Frage des Zusammenhangs

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext

Informationen zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext, 7.-9.10.2010

 

Alexander Kluges Werk ist ein stetig anwachsendes work in progress, das sich über den permanenten Wechsel der Medien artikuliert: Literatur, Film, Fernsehen, Internet, Medien- und Gesellschaftstheorie – auf diesen Feldern arbeitet Kluge seit einem halben Jahrhundert am mikrologischen Modell einer kommunizierenden Gegenöffentlichkeit, einem kritischen Modell, in dem die Asymmetrie zwischen AutorInnen und RezipientInnen weitgehend eingezogen scheint: "Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers."

Freitag, 8. Oktober 2010 - 11:00
Campus Universität Wien / Aula, Spitalgasse 2/Hof 1, A-1090 Wien

Die Maßverhältnisse des Historischen verändern sich, wenn man die Gattungsgeschichte in die Beurteilung historischer Verläufe ebenso wie in die Analyse der Gegenwart 'hineinrechnet'. Immer wieder, in seinen Filmen, in seinen "Lebensläufen", in der "Chronik der Gefühle" und in Geschichte und Eigensinn rechnet uns Alexander Kluge diese Verschiebung in den Maßverhältnissen vor – ein Unruhemoment, das sich seinem Geschichtsbegriff mitteilt, genauer: Geschichte und unser Nachdenken über Geschichte zu begreifen. Ein Unruhemoment, das leise die zementierten Gewissheiten unterwandert, dem Lagerdenken eine entschiedene Absage erteilt, eher spielerisch verfährt und niemals polemisiert - Polemik von einem festen 'Standpunkt' aus wäre ja eine Konzession an jene als falsch erkannte These der Stabilität: "Von der These der Instabilität der Verhältnisse auszugehen, ist plausibler als von der These der Stabilität aus zu denken."