Experimentelles Fernsehen der 1960er und 1970er Jahre

Vortrag von

Gerlinde Waz

Studium der Publizistik, Theaterwissenschaften und Ethnologie an der FU Berlin, freie Autorin von Fernsehbeiträgen, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Euromonitor in Genf. Lehrtätigkeit an der FU Berlin, Viadrina, Frankfurt/Oder, Humboldt-Universität zu Berlin (Afrikanistik) und Alice-Salomon-Fachhochschule.

Veranstaltungsreihe

Provokation der Wirklichkeit. 50 Jahre Oberhausener Manifest

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium

Das Wiener Symposium zu 50 Jahre Oberhausener Manifest, 7.-8.6.2012 im Österreichischen Filmmuseum

Freitag, 8. Juni 2012 - 14:00
Österreichisches Filmmuseum, Augustinerstraße 1, A - 1010 Wien

Ab Mitte der 1960er Jahre beginnen Künstler, Schriftsteller, Komponisten und Regisseure sich künstlerisch mit dem Medium Fernsehen zu beschäftigen und nach neuen bildsprachlichen und erzählerischen Mitteln zu suchen. Damit begann eine der experimentierfreudigsten Phasen des deutschen Fernsehens. Mit der Einführung der MAZ-Technik, der Bluebox und dem Stanztechnikverfahren veränderten sich auch die ästhetischen und künstlerischen Möglichkeiten, die viele Regisseure nutzten. Sowohl in der Populärkultur als auch in der Werbung und im Fernsehfilm zeigt sich eine neue ästhetische Vision. Für diese neue Ästhetik und das lustvolle Austesten der telegenen Grenzen stehen vor allem die Theaterregisseure Peter Zadek und Samuel Beckett, überbordend der eine, minimalistisch der andere. Gerry Schum entwickelte eine neue Form der Kunstvermittlung und erschreckte damit die Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer. Mauricio Kagel und Klaus Lindemann wagten visuelle Experimente in der klassischen und neuen Musik. Die Fernsehregisseure Bob Royens, Jean-Christophe Averty und der Zeichner Guy Peellaert brachten mit der Pop-Art Musiksendungen ins Fernsehen, die im räumlichen Nichts schwebten. Der Vortrag stellt beispielhaft diese innovative und politische Phase des deutschen Fernsehens vor und zur Diskussion.