Dokufiktionale Grenzgänge
Die Vermischung oder Überblendung von dokumentarischen mit fiktionalen Darstellungsweisen ist ein Kennzeichen der ästhetischen Verfahrensweise Kluges seit seinen literarischen Anfängen (Lebensläufe, 1962; Schlachtbeschreibung, 1964). Diesen Erzählmodus hat Kluge auch in seinen Film- und Fernseharbeiten beibehalten. Hierzu entwickelt er Modellsituationen, in denen die kontrastive Gegenüberstellung dokumentarischer und fiktionaler Elemente zugleich auf deren mediale und medienhistorische Grundvoraussetzungen verweist. Diesem reflexiven Verfahren wird im Vortrag anhand von Beispielen aus Abschied von gestern (1966), Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985) und den sogenannten Fake-Interviews nachgegangen. Dabei wird die These vertreten, dass die ästhetische Strategie der Entdifferenzierung konventioneller Darstellungsmodi einer Art ,Differenzierung auf zweiter Stufe', einer Intensivierung der ,Unterscheidungsvermögen' Vorschub leistet.
