Dokufiktionale Grenzgänge

Medienreflexion bei Alexander Kluge
Vortrag von

Winfried Siebers

Studium der Literatur- und Medienwissenschaft sowie der Geschichte an der Universität Osnabrück; M.A. 1985; Promotion 1998; von 1990 bis 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter ebendort und von 1998 bis 2003 am Forschungszentrum "Europäische Aufklärung e.V. in Potsdam"; seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit und am Institut für Germanistik der Universität Osnabrück; Lehrtätigkeit an den Universitäten Potsdam (2000-2002) und Wien (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, seit 2007).

Video
Veranstaltungsreihe

Symposium: Die Frage des Zusammenhangs

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext

Informationen zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext, 7.-9.10.2010

 

Alexander Kluges Werk ist ein stetig anwachsendes work in progress, das sich über den permanenten Wechsel der Medien artikuliert: Literatur, Film, Fernsehen, Internet, Medien- und Gesellschaftstheorie – auf diesen Feldern arbeitet Kluge seit einem halben Jahrhundert am mikrologischen Modell einer kommunizierenden Gegenöffentlichkeit, einem kritischen Modell, in dem die Asymmetrie zwischen AutorInnen und RezipientInnen weitgehend eingezogen scheint: "Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers."

Samstag, 9. Oktober 2010 - 14:00
Campus Universität Wien / Aula, Spitalgasse 2/Hof 1, A-1090 Wien

Die Vermischung oder Überblendung von dokumentarischen mit fiktionalen Darstellungsweisen ist ein Kennzeichen der ästhetischen Verfahrensweise Kluges seit seinen literarischen Anfängen (Lebensläufe, 1962; Schlachtbeschreibung, 1964). Diesen Erzählmodus hat Kluge auch in seinen Film- und Fernseharbeiten beibehalten. Hierzu entwickelt er Modellsituationen, in denen die kontrastive Gegenüberstellung dokumentarischer und fiktionaler Elemente zugleich auf deren mediale und medienhistorische Grundvoraussetzungen verweist. Diesem reflexiven Verfahren wird im Vortrag anhand von Beispielen aus Abschied von gestern (1966), Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit (1985) und den sogenannten Fake-Interviews nachgegangen. Dabei wird die These vertreten, dass die ästhetische Strategie der Entdifferenzierung konventioneller Darstellungsmodi einer Art ,Differenzierung auf zweiter Stufe', einer Intensivierung der ,Unterscheidungsvermögen' Vorschub leistet.