Artisten, Handwerker und Huren
Dieser Vortrag nimmt seinen Ausgang von der Beobachtung einer anhaltenden Konjunktur des Begriffs ästhetischer Übung – sei es etwa bei Richard Sennett, Christoph Menke oder Peter Sloterdijk – und einem Interesse für den gesellschaftshistorischen Zusammenhang einer solchen Konjunktur. Die Vermutung, eine gesteigerte Aufmerksamkeit für ästhetische Übung könne mit den Transformationen der Arbeitsorganisation im späten 20. Jahrhundert in Verbindung stehen, soll in diesem Vortrag durch die Analyse von Alexander Kluges Film Artisten in der Zirkuskuppel - ratlos überprüft werden. Der Film bietet sich für ein solches Unternehmen an, da er die Arbeit des Artisten mit verschiedensten Übungsszenarien - von der Probe zum Test über die Simulation bis zum Spiel - assoziiert. Genauer spezifizierbar wird das Verhältnis von Übung und Arbeit zudem durch eine Situierung des Films Artisten im Kontext der Protestbewegungen um `68 und eine Bezugnahme auf Negt/Kluges Redefinition des Arbeitsbegriffs vor dem Hintergrund spätindustrieller Produktion in Geschichte und Eigensinn. Die hier angestrengte Analyse soll dazu beitragen, jene Positionen um ästhetische Übung neu zu perspektivieren, die eine Anthropologisierung des Übungsbegriff vornehmen oder ihn von einem auf instrumentelles Handeln verkürzten Arbeitsbegriff abgrenzen.
