Artisten, Handwerker und Huren

Übungsszenarien in Alexander Kluges Film "Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos"
Vortrag von

Dorothea Walzer

Bis 2008 Studium der Soziologie mit den Nebenfächern Politikwissenschaft und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg (Magisterarbeit Zur Logik des Experiments im Theater von René Pollesch) sowie Assistentin bei "Agenda – Fotografen und Journalisten". Seit 2002 Veranstaltungsorganisation und Textproduktion im Rahmen von "gruppefuenf" und "Medienlabor 23b". 2008 Wissenschaftliche Mitarbeit an der TU-Hamburg. Seit 2008 Promotion zu Kollektivbildung. Theatrale Übung und die Transformation der Arbeit im 20.

Veranstaltungsreihe

Symposium: Die Frage des Zusammenhangs

Ausschnitt aus dem Plakat zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext

Informationen zum Symposium: Alexander Kluge im Kontext, 7.-9.10.2010

 

Alexander Kluges Werk ist ein stetig anwachsendes work in progress, das sich über den permanenten Wechsel der Medien artikuliert: Literatur, Film, Fernsehen, Internet, Medien- und Gesellschaftstheorie – auf diesen Feldern arbeitet Kluge seit einem halben Jahrhundert am mikrologischen Modell einer kommunizierenden Gegenöffentlichkeit, einem kritischen Modell, in dem die Asymmetrie zwischen AutorInnen und RezipientInnen weitgehend eingezogen scheint: "Der Film entsteht im Kopf des Zuschauers."

Freitag, 8. Oktober 2010 - 15:00
Campus Universität Wien / Aula, Spitalgasse 2/Hof 1, A-1090 Wien

Dieser Vortrag nimmt seinen Ausgang von der Beobachtung einer anhaltenden Konjunktur des Begriffs ästhetischer Übung – sei es etwa bei Richard Sennett, Christoph Menke oder Peter Sloterdijk – und einem Interesse für den gesellschaftshistorischen Zusammenhang einer solchen Konjunktur. Die Vermutung, eine gesteigerte Aufmerksamkeit für ästhetische Übung könne mit den Transformationen der Arbeitsorganisation im späten 20. Jahrhundert in Verbindung stehen, soll in diesem Vortrag durch die Analyse von Alexander Kluges Film Artisten in der Zirkuskuppel - ratlos überprüft werden. Der Film bietet sich für ein solches Unternehmen an, da er die Arbeit des Artisten mit verschiedensten Übungsszenarien - von der Probe zum Test über die Simulation bis zum Spiel - assoziiert. Genauer spezifizierbar wird das Verhältnis von Übung und Arbeit zudem durch eine Situierung des Films Artisten im Kontext der Protestbewegungen um `68 und eine Bezugnahme auf Negt/Kluges Redefinition des Arbeitsbegriffs vor dem Hintergrund spätindustrieller Produktion in Geschichte und Eigensinn. Die hier angestrengte Analyse soll dazu beitragen, jene Positionen um ästhetische Übung neu zu perspektivieren, die eine Anthropologisierung des Übungsbegriff vornehmen oder ihn von einem auf instrumentelles Handeln verkürzten Arbeitsbegriff abgrenzen.