"Innovative Freiräume" (Diagonale 2014)

Zurück zur Übersicht

 

Eine Filmkritik von Michael Reinhard zu IT'S A DANCE, Regie: Viktoria Schmid, AT 2013.

 

It's a Dance. Tanzen ist, was man abends am Wochenende in Diskotheken oder Bars macht? Oft in Begleitung aber letztendlich doch jeder für sich allein - und das geht nach diesem Film auch so in Ordnung. Schnell wird einem bewusst wie weitläufig dieser Begriff aufgefasst werden kann. Interessant dabei ist vor allem wie oft sich Parallelen zu Film als ein bewegendes Medium ziehen lassen. Unter anderem wird Tanz als "die Umsetzung von Inspiration in Bewegung" definiert. Eigentlich eine wunderbare Deutung für beide Ausdrucksformen. Wobei sich dieses Schema vor allem innerhalb des innovativen Kinos umdrehen sollte. Die Bilder sollten nicht nur abbilden sondern Raum zum ganz individuellen Weiterdenken anbieten und verschiedene Interpretationsmöglichkeiten offen lassen.

 

Viktoria Schmid schafft es den gesamten Film dem kreativen Freiraum der Zuschauer zu öffnen  und greifbar zu machen , was ungemein anspornt und Spaß macht. Ausgangspunkt ist ein verunglückter bzw. abgebrochener Download einer Teenie Serie aus den Neunzigern. Die dadurch entstandenen neonfarbigen Pixelstafetten die oft das ganze Bild einnehmen und damit unkenntlich machen, sowie die abgebrochenen Wortlaute bilden dabei eine ganz eigene Ästhetik, welche in einer Korrelation zum Geschehen steht. Denn es gilt Entscheidungen hinsichtlich einer Schultanzveranstaltung zu treffen. Die Protagonisten, dargestellt als die typisch liebenswerten Außenseiter und geplagt von diesem üblicherweise eher lästigen Prozedere sind alle in der fortschreitenden Pubertät angelangt. Zerrüttet, von Ängsten und Selbstzweifel umgeben, auf der Suche nach einer eigenen Identität, im Hintergrund die Euro Dance Hymne "What is love" von Haddaway – man kann sich durchaus schönere Abende vorstellen. Doch genau in diesem vielleicht als unvollständig zu beschreibenden Zustand überschneidet sich die Ebene des Narrativen und das Innenleben der Jugendlichen. Klassisch aufgeteilt in drei Akte lässt der Dreiminüter trotz der dem Download geschuldeten Bruchstückhaftigkeit der Bilder viel von dem Geschehen erahnen und erzählt eine nahezu vollständige Geschichte. Eine von vielen, und möglichen - denn wie viele Geschichten der Zuschauer innerhalb dieser Geschichte aufgreift, wie viele Eindrücke er verbindet und weiterführt ist allein ihm und seiner Kreativität überlassen.

 

In diesem Punkt liegt die große Stärke des Kurzfilmes. Er kann eine Antwort darauf geben, wie innovatives Kino heutzutage noch funktionieren kann.