Heimat Österreich. Vom Spritzwein und den Backhendln (Diagonale 2016)

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Eine Filmkritik von Paula Panagl zu Alltagsgeschichte – Am Stammtisch. Ein Heimatfilm, Regie: Elizabeth T. Spira, AT 1988



Trink ma erst amal einen.

Leitmotiv das sich durch das gesamte erstmals auf der Diagonale 16` ausgestrahlte Werk  Alltagsgeschichte - Am Stammtisch. Ein Heimatfilm von Elisabeth T. Spira durchzieht.

Am Stammtisch, ein 1988, vom ORF produziertes Gesellschaftsportrait der Republik Österreich, welches um die Thematiken Heimatliebe, Glaube, Werte und Traditionen kursiert.

Trink ma erst amal einen.

Der Wein fließt, der Rauch steigt auf und die Gespräche beginnen langsam den Raum zu füllen, in Wien, im Burgenland, in Tirol, in Voradelberg, in der Steiermark, in Oberösterreich.

In allen Bundesländern versammeln sich  trinkende Männer mittleren bis hohen Alters um einen Stammtisch und tauschen sich über aktuelles sowie vergangenes politisches Geschehen aus. Die Jagd, das Fischen, der Jugoslawienurlaub, die Frauen -  so einiges wird thematisiert.

Der Stammtisch fungiert als Raum für Kritik und Diskurs, Bindeglied der Gesellschaft, Ort des Geschehens.

Der Stammtisch zeigt sich als  Raum der Hierarchie denn nicht alle beteiligten Herren dürfen gleichgestellt zu Wort kommen  Er zeigt sich auch als Raum der Diskriminierung da Frauen ausgeschlossen werden und höchstens als passive Zuschauer teilhaben dürfen.

Trink ma erst amal einen.

Elisabeth T. Spiras Close Up's denunzieren nicht nur die Textur der Gesichter

sondern widerspiegeln auch die nationale Tradition: der Spritzwein und das ausse bockene Fleisch.

Die Identität der Republik Österreich, oder die Singularität, der hier von einander unabhängig portraitierten Kollektive oder auch Vereine in den jeweiligen Bundesländern ist bemerkenswert.

Was am Ende bleibt ist die Liebe zum guten Tropfen und viele in den Raum gestellte Wörter.

 

Um es mit Paul Hörbigers und Hans Mosers Worten zu sagen: "Es wird ein Wein sein."