Trash Humpers
Nicht selten sind Filme im Kino mehr eine Herausforderung, denn ein Vergnügen; und vor Herausforderungen kann es schon einmal sein, dass man großen Respekt hat oder gar Angst. Die Minuten vor dem Beginn von Trash Humpers waren schwierig. Meine Gedanken kreisten. Was würde dieser Film bei mir auslösen? Der Trailer war beängstigend, die Berichte von diversen Festivals erschütternd. Wie viel Unbehagen mag ein Film wohl Auslösen? Eine Menge!
Aber gleich vorneweg, Trash Humpers hat kein Trauma ausgelöst, weder nächtliche Panikattacken noch hat er mich verstört. Vielmehr hat er einen popkulturellen Kontext hergestellt, der mir nicht mal im Traum eingefallen wäre.
Ist Trash Humpers die Viennale-Version von MTVs Jackass? Nein. Doch die Parallelen sind erstaunlich. Unterbeschäftigte Menschen nützen ihre Freizeit für Zerstörung und frivole Späße. Die alten Herren von Trash Humpers treiben ihr Unwesen in den braven Vororten einer unbekannten amerikanischen Großstadt. Sie zerstören Möbel und Fernseher und ja, sie treiben es mit Müll und Bäumen. Regisseur Harmony Korine hat zwar auf explizite Darstellungen von Sexualität verzichtet, es spielt aber keine Rolle ob man nun einen Penis sieht oder nicht, denn einen solchen Skandal zu provozieren hat der Film nicht nötig.
Getarnt als Found-Footage-Film im trashigen Hi8-Look katapultiert uns Korine zurück in die 1990er Jahre, als die postmoderne MTV-Generation begann sich durch die Serie Jackass abzuhärten. Es bot sich ein ähnliches Bild. Mit Videokamera wurden Lausbubenstreiche, die auch des öfteren jenseits der Gürtellinie stattfanden, aufgenommen und einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Mittlerweile hat es die Stuntmen-Bande rund um Rädelsführer Johnny Knoxville unter der Feder von Spike Jonze bereits zur dritten Leinwandadaption gebracht. Der Aufbau, der Witz und auch die Dramaturgie hat sich bewährt und wird auch in der aktuellen 3D-Version beibehalten. Nur die Protagonisten alterten. Ob es in deren Pensionsalter dann zu einem Remake von Trash Humpers reicht, wird sich aber erst zeigen.
Auch bei Jackass muss die Idylle der amerikanischen Suburbs als Kulisse herhalten. Und hier, wo Generationen unter einem Dach oder nebeneinander wohnen, sich treffen, sich aushalten müssen, da treffen sich auch die beiden Filme. Es stehen die Jugendlichen den Alten gegenüber. Die karge Häuserlandschaft bringt einem unterbeschäftigten Jugendlichen in der Freizeit schnell mal auf dumme Gedanken. Im Pensionistenalter dasselbe; von der Gesellschaft ausgesondert und zum Nichtstun verdonnert sucht man sich neue Betätigungsfelder. Ob sich nun reiche 20 Jährige gegenseitig die Brustwarzen piercen oder 80 Jährige mit Müll Sex haben macht auch keinen Unterschied mehr. Nihilismus und Zerstörung haben sich bei den zwei konträren Gesellschaftsgruppen eingefunden und somit auch eine Gemeinsamkeit erschaffen.



