Kurzfilmprogramm 7

FSE Viennale / Copyright der Bilder siehe Viennale.at
Datum: 
Samstag, 30. Oktober 2010 - 15:30
Ort: 
Gartenbaukino

Das Kurzfilmprogramm 7 besteht aus folgenden Filmen:

The Day Was a Scorcher (USA 2009, R: Ken Jacobs)
The Day Was a Scorcher
erinnert in seiner durchdringenden Verspieltheit an Arbeiten von Martin Arnold, doch Avantgarde-Filmemacher Jacobs arbeitet hier mit selbst fotografiertem Material. Dieses wendet er so lange hin und her, lässt es tanzen, ineinander klappen, wackeln, sich wiederholen, spiegeln und mit eingeschobenen Schwarzkadern zucken, bis aus dem Urlaubsvideo – mit seiner Frau Flo und den Kindern Nisi und Aza an einem Hundstag in Rom entstanden – eine komplett neue Seherfahrung geworden ist.

Night Mayor (Kanada 2009, R: Guy Maddin)
Winnipeg, 1939. Ein aus Bosnien stammender, mit Familie nach Kanada eingewanderter Erfinder destilliert aus dem Äther von Aurora Borealis mittels eines "Telemelodium" genannten Apparates bewegte Bilder und Musik, die via Telefon verbreitet werden können. Klingt spinnert, transformiert aber humorvoll und vorzüglich, was Sci-Fi-Filme der dreißiger Jahre sich als Zukunft ausgemalt haben – und ist überdies ein herrlich psychotropher Ausfluss von Guy Maddins Konzept, "gewöhnliche Dinge zu kombinieren und übernatürlich zu machen".

Maybe Siam (D 2009, R: Christoph Girardet, Matthias Müller)
Es beginnt mit einer halben Minute Schwarzkader. Naturgemäß, denn es folgen Kinobilder von Blinden. Die ingeniösen Ausschnitt-Monteure Girardet und Müller haben mit ihrer aktuellen Found-Footage­Arbeit eine sogstarke Sinfonie der Sehnsucht nach dem Sehen komponiert. Wir blicken auf trippelnde, tastende, taumelnde, tobende Körper. Wir blicken auf Menschen, die sich in Räumen zurechtzufinden suchen, von denen sie sich eine Vorstellung machen müssen. Und wenn plötzlich der schwelgerische Song "Far Away Places" dazu erklingt, bekommt der Begriff Distanz eine neue Bedeutung.

Coming Attractions (A 2010, R: Peter Tscherkassky)
Found-Footage-Meister Tscherkassky hat einen so besonderen wie zufälligen Fund gemacht: Sechs Stunden 35mm-Reklamereste aus den achtziger Jahren, knapp der Vernichtung entgangene Probeaufnahmen aus der Konkursmasse einer Werbefilmfirma. Models, Amateure und verpeilte Kleindarsteller werden in seiner von Hand gebastelten Montage zu schillernden Figuren. Glänzende Kunst aus schnödem Abfall, gleichzeitig eine Verbeugung vor und eine Beugung des frühen "Kinos der Attraktionen" in elf Kapiteln, der geniale Auftakt einer geplanten Trilogie.

Shadow Cuts (A 2010, R: Martin Arnold)
Micky Maus verschaut sich in Pluto. Arnold kann das so nicht stehen lassen, übersteigert die Lidschläge seiner Trickhelden durch Flickereffekte und Schwarzflackern, lässt ihre Augen sich verselbständigen und ihre gemeinsame Heiterkeit rücklaufend in Grimassierung erstarren. Wir werden sehschwache Zeugen der Deanimation einer animierten Happy-End-Sequenz: "Den temporär erblindeten Figuren auf der Leinwand stehen temporär erblindete BetrachterInnen gegenüber. Auch ihnen zerbricht die Wahrnehmung in den Dunkelphasen der Projektion." (Martin Arnold)

Tranquility (A 2010, R: Siegfried A. Fruhauf)
Der Traum vom Fliegen beginnt im Liegen. Wie materialisierte Sehnsucht steigt aus Kopf und Brust einer selbstvergessen versunkenen Frau am Strand dunkler Nebel, der sich in die Lüfte erhebt und den Flugzeugen begegnet. In aller Stille fliegen sie – oder stürzen sie ab, wie Träume sich verflüchtigen? Fruhauf nutzt die Materialisierungsmöglichkeiten des Kinos zu einem Traumgedicht, dessen narrativer Leitfaden die Assoziation ist. Man folgt ihr mit Bangigkeit und Freude. Wenn Nachtträume einem archaischen Visualisierungszwang erwachsen, so ist Tranquility dessen intuitive Kinoversion.

Essays: 

Keine Essays vorhanden