Ein ruhiger Schrei (Diagonale 2016)

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Eine Filmkritik von Laura Helene May zu Heidenlöcher, Regie: Wolfram Paulus, AT/BRD 1986

 

 

Wolfram Paulus Heidenlöcher ist ein Film über Angst und Krieg, der ohne provozierende Bilder auskommt. Die Geschichte spielt in einem kleinen Bergdorf im Großarl, dem Geburtsort des Regisseurs.

In den Bergen um das Dorf versteckt sich der Deserteur Santner vor der Gestapo und überlebt in einer Höhle durch die Hilfe einiger Dorfbewohner, die ihn mit der notwendigsten Nahrung versorgen und warnen so oft sie können. Der Name Santner verweist auf einen Deserteur, der sich in den 1930er Jahren tatsächlich in der Bergen versteckt hielt. Die Gestapo weiß, dass sich der Mann in der Gegend aufhält und Freunde bzw. Helfer haben hat. Zuletzt wird sogar dem ganzen Dorf mit einer Umsiedlung in die Ukraine gedroht.

 

Der Film ist ruhig, doch durchgehend mit einer bedrückenden Spannung geladen, die den Zuschauer nie vergessen lässt, unter welchen Umständen der gezeigte Alltag stattfindet. Die Stimmung der Bilder ist düster, es wird wenig gelacht und die Berglandschaft wirkt wie eine unüberwindbare Mauer zwischen dem Dorf und der Freiheit. Der Zuschauer bekommt keinen weiten Blick über die Szenerie, sondern eine Darstellung in "gerahmten Bildern", indem großteils Nahaufnahmen gezeigt werden, was sich nur bei wenigen, ausschlaggebenden Szenen mit weiter Perspektive ändert.

Die Loyalität der helfenden Dorfbewohner steht dauernd in direktem Kampf mit der Angst, die von der Gestapo verbreitet wird und es wird nur zu gut deutlich, wie die Frage nach dem guten Leben von der Frage des reinen Überlebens verdrängt wird.

 

Der Film endet tragisch, Santner wird erschossen, doch ebenso wird es sein Verräter. Und schlussendlich entlässt Paulus den Zuschauer doch ohne ein zu düsteres Gefühl aus dem Kinosaal, indem er am Ende des Filmes andeutet, dass Santner nicht der einzige ist, der den Mut aufbringt, sich den grausamen Kräften seiner Zeit zu widersetzen.