Dunkles Dorf in weißem Schnee (Diagonale 2016)

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Eine Filmkritik von Leonora Peuerböck zu Heidenlöcher, Regie: Wolfram Paulus, AT/BRD 1986

 

 

Gefangen zwischen Bergen und Wald liegt ein kleines Dorf, das Stück für Stück, durch den Film aus dem Schnee gehoben und für die ZuschauerInnen sichtbar gemacht wird. Wie mit Hilfe einer Schneeschaufel gibt der Regisseur langsam den Blick auf die Situation, in der sich die BewohnerInnen des Dorfes befinden, frei. Trotz der Extremsituation sind diese nicht wie man meinen möchte eine zusammenhaltende Gruppe, sondern eine Gemeinschaft die durch Misstrauen gekennzeichnet ist.

Am Rande des Dorfes hebt sich ein Lager aus dem Weiß. In diesem leben Gefangene, die die DorfbewohnerInnen bei der Arbeit unterstützen müssen.

Auch wenn das Dorf anfangs friedlich und ruhig wirkt und ein angenehmes Zusammenleben vorgibt, spitzt sich die Situation im Laufe des Films immer mehr zu.

Denn zwischen den Schneebergen in einer Höhle, wohnt ein Deserteur der von der Gestapo gesucht wird.

 

Paulus erzählt die Geschichte eines kollabierenden Dorfes.  Man könnte fast meinen er wolle ein Konträr zum Heimatfilm entwerfen. Die Berge der Alpen werden erst am Schluss als weitläufig dargestellt, wie eine Befreiung aus der Enge des Dorfes und des Films.

Davor wird durch die vielen Nahaufnahmen und die enge Kadrierung ein Gefühl des Eingekesseltseins, auch für die ZuschauerInnen geschaffen.

Die Narration verläuft langsam, aber stetig. Man wartet fast darauf, dass endlich etwas passiert. 

 

Die Mitmenschen werden zur Bedrohung des Einzelnen. Waren zuerst noch Freunde unter ihnen, steckt später hinter jedem ein potentieller Feind. Die durchgehend düstere Stimmung, trotz der hellen, verschneiten Landschaft, wirft keine Motive des  Heimatfilms auf. Im Gegenteil, erzeugt der Film doch durch die engen Gassen ein unheimliches Gefühl, das durch die langen Schatten eher an einen Film Noir, als an Heidi in den Alpen erinnert.

 

Das erdrückende Gefühl, das der Film hervorbringt, vergrößert sich, je mehr Menschen dem Deserteur den Rücken zukehren.

Durch immer mehr Ereignisse, und das oftmalige Aufkreuzen der Gestapo wird die Situation für das Dorf immer schwieriger, bis sie schließlich in einem fulminanten Show Down eskaliert.