Die Frage nach Kunst (Diagonale 2013)

Zurück zur Übersicht

 

Eine Filmkritik von Sabrina Tonner zu Ansichten – points of view, Regie: Jessyca R. Hauser und Jeremias Altmann, AT 2012.

 

Ein Mädchen mit gelber Jacke oder ein simpler Vogel erregen die Aufmerksamkeit der beiden Voice-over Kommentatoren des Kurzdokummentarfilms Ansichten – points of view von Jessyca R. Hauser und Jeremias Altmann. Statische Bilder von einer Stadt, über die schon alles gesagt worden zu sein scheint, werden in diesem Film mit einer Tonebene verknüpft, in der versucht wird, das Gesehene auf persönliche Art und Weise zu beschreiben. "Ist das Kunst?", fragt sich auch nicht nur ein Audiokommentator im Kurzdokummentarfilm, sondern auch der ein oder andere Betrachter.

 

Zwei einander völlig fremde Menschen versuchen beim zweiten Betrachten der Bilder ihre persönlichen Eindrücke über den Lebensraum der Regisseure zu schildern, dabei sprechen sie teilweise erklärend, teilweise wertend. Als Zuschauer, insbesondere aber Zuhörer fühlt man sich mit der Zeit immer wohler in der Welt der beiden Sprecher, jedoch verlangt der Film durchaus auch Interaktion zwischen Bildebene und Zuschauer. Da Bild und Ton asynchron verlaufen, wird der Rezipient immer wieder dazu aufgefordert, das gerade beschriebene im Bild zu suchen. Die beiden Sprecher hauchen den statisch aufgenommenen Bildern Leben ein, sodass nach anfänglicher Distanz, auch eigene Assoziationen mit den gezeigten Plätzen verknüpft werden, besonders wenn man das Gesehene kennt und einordnen kann. Eine U-Bahn wird genauso ein wichtiger Ort wie das Museumsquartier oder eine enge Gasse mit kleinen Restaurants. Obwohl man diese Plätze vielleicht kennt, ist es trotzdem interessant, andere Sichtweisen zu hören und somit auch das eigene Sehen zu überdenken. "Wie schaue ich selbst auf alltägliche Dinge?" fragte auch ich mich nach dem Film. Die Frage der Reflexivität ist hierbei eine sehr wichtige, denn plötzlich erschließen diese statischen Bilder einen neuen Wert, der dadurch natürlich auch mit dem Kunst-Begriff hinterfragt werden kann.

 

Die Frage nach Kunst gleicht allerdings der Gretchenfrage. Keiner kann sie wirklich beantworten, jedoch hat jeder ein persönliches Verständnis davon, was Kunst nun sei, darf, kann oder darstellt. Aktuell fällt es besonders schwer, Kunst zu definieren, bzw. ihren Stellenwert anzuerkennen, so auch eine Reaktion nach der Vorstellung: "Das ist ja einfach, das machen wir auch." Die Frage ob dieser Film nun Kunst sei beantwortet für mich schon die zweite Audiokommentatorin im Film selbst: "Ja, ich find's irgendwie geil."