Autopia (Diagonale 2013)

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Eine Filmkritik von Eva-Maria Kleinschwärzer zu Timau (AT 1998), Jogging (AT 2000), automatic (AT 2002), Parking (AT 2003), Regie: Josef Dabernig

 

Josef Dabernig nähert dich in seinen Filmen auf autobiografische Weise dem Phänomen der Reise und dem Betrachten von Orten, bzw. von Nicht-Orten: Vergessene Straßen, Dörfer und Stadien, die er auf seinen Reisen immer wieder aufsucht und ihnen eine neue Sichtbarkeit verleiht. Dabei ist Dabernig ganz autokratisch Regisseur, Darsteller und Autor in einem.

 

Dabernig scheint sich in seinen Filmen vor allem an einem Ort wohlzufühlen: Dem Auto, einem Zufluchtsort für den Mann und dessen ebenso männliche Freunde. Ein Road Movie an autonome Orte der Verlassenheit und des Verfalls: nackter Fels, Ruinen, Asphalt und Chrom und natürlich die Faszination an der Technik dieser Maschinen. Sitzen in Timau noch drei Männer in einem Auto und treten eine überbesetzte und vor allem sehr lange Reise an um nach einer Klettertour eine Telefonzelle zu reparieren, macht der Protagonist in Jogging – Josef Dabernig selbst – einen Sonntagsausflug zu einem verlassenen Stadium und filmt streunende Hunde – selbstverständlich vom Auto aus. Automatic ist in letzter Konsequenz ein Film über autophile Männer, die in einer Art Garagenutopie an ihren Autos basteln, putzen und dabei – so steht es im Programmheft – meditieren. In Parking wird schließlich auch die Autoerotik Dabernigs erkennbar, wenn am Straßenrand eine Automatte in autoritäre SM-Fantasien eingebaut wird, um dann wieder ins Auto zurückzukehren und die Heimreise anzutreten.

 

Dabernigs Bilder sind lakonisch im Sinne einer Kargheit und Schmucklosigkeit, die hauptsächlich durch seine Motive entsteht aber auch durch lange, langsame Einstellungen und Anordnungen im Bild eine fast schon automorphe Wirklichkeit entstehen lässt. Wenn Dabernig im Publikumsgespräch davon spricht, durch seine Herkunft eine Art Zwangslogik entwickelt zu haben, stellt sich im Folgenden auch die Frage nach Zwangsautomatismen, die diesen Filmen innewohnen.

 

Dabernig schafft hier eine tautologische Filmreihe, in der immer gleiche Bedeutungssysteme und Bildsprachen abgespielt werden, bei denen sich der Zuschauer manchmal selbst ein Fluchtauto herbeiwünscht.